Achsensprung

Der Achsensprung ist eigentlich ein Filmfehler, der in der Filmproduktion von praktisch jeder Gattung Film - vom Kinofilm bis zum Unternehmensfilm gleichermaßen - auftreten kann. Dieser unbedachte Filmschnitt unterbricht die Continuity, beziehungsweise stört die Orientierung des Zuschauers. Vom Achsensprung zu unterscheiden ist der Achsenwechsel.
 Was aber genau ist der Achsensprung? Angenommen im Bild der Kamera sieht man einen Mann einen geraden Weg entlang laufen. Der Weg ist waagerecht im Bild und läuft exakt mittig vom linken Bildrand bis zum rechten Bildrand. Der Mann bewegt sich in der Einstellung von links nach rechts durch das Bild und macht keine Umstände seinen Weg zu ändern. Er läuft lediglich diesen geraden Weg entlang und gibt somit die Handlungsachse vor. Wenn die Kamera exakt an der Stelle bleiben würde, wo sie begonnen hat zu filmen, gäbe es keine Probleme mit der Continuity. Aber sobald diese oder eine zweite Kamera, die Linie des Weges und dem darauf laufenden Mann durchbricht, also über die Handlungsachse springt, und Aufnahmen von der anderen Seite macht, entsteht beim Zusammenschnitt der Aufnahmen das Phänomen des Achsensprungs. In der Aufnahme von der anderen Seite läuft der Mann nämlich nicht mehr von links nach rechts, sondern plötzlich von rechts nach links. Wenn man diese beiden Aufnahmen in der Postproduktion aneinander reiht, entsteht der “Schnittfehler” des Achsensprunges: Der Mann läuft einmal von links nach rechts und im nächsten Bild in die entgegengesetzte Richtung, was zu einer Irritation beim Zuschauer führen würde. Denn die Laufrichtung hat sich für ihn verändert. Aus seiner Sicht macht der Mann also kehrt und geht zurück in die Richtung, aus der er gekommen war. Ein Merksatz hierzu lautet:

“Die Kameraachse darf die Handlungsachse nicht kreuzen!”

Früher galt der Achsensprung als unbedingt zu vermeiden. Heutzutage findet er aber durchaus - als bewusst eingesetztes Stilmittel (!) - Anwendung. Beispielsweise, wenn die innere Zerrissenheit eines Charakters gezeigt werden soll. Man denke z.B. an das Selbstgespräch in “Herr der Ringe” zwischen Gollum und Sméagol, indem auf diese Weise dem inneren Konflikt Ausdruck verliehen wird. Die pro Argumente werden von der einen und die contra Argumente von der anderen Seite gefilmt. So wird im Zusammenschnitt ein Achsensprung erzeugt, der das Gefühl von zwei sich scheinbar gegenüberstehenden, (sich oft entgegenstehenden) Personen/ Positionen veranschaulicht.

Man sieht in einem Erklärfilm von referenz film eine Person von links nach rechts gehen. Dabei wird sie erst von ihrer rechten Seite und dann von ihrer linken Seite aus gefilmt, was zu einem Achsensprung führt.